Psychotherapie ist eine Behandlungsmethode, die dann Sinn macht, wenn Sorgen, Depressionen oder Ängste Sie schon seit einiger Zeit quälen.\r\n\r\nDie immer grösser werdende Nachfrage nach Psychotherapie ist Teil einer generellen Bewußtseinsentwicklung in unserer Gesellschaft. In manchen Kreisen ist  Psychotherapie mittlerweile eine Selbstverständlichkeit und es erscheint schon fast als Bildungslücke, sich nicht mit sich selbst auseinander zu setzen.\r\n\r\nIm öffentlichen Bewußtsein kursiert Psychotherapie immer noch als eine mehr oder weniger geheimnisvolle Zauberei, Medien skizzieren oft ein verzerrtes Bild von Psychotherapie: Sensationen Versprechendes ist da vorherrschend. Manche esoterische Therapien versprechen Lösungen innerhalb kürzester Zeit ohne jede Anstrengung oder nach einer spektakulären Katharsis. Ein Satz und alles scheint wie gewandelt.\r\n\r\nAndererseits wird Psychotherapie mit der Psychiatrie verwechselt oder es gibt Vorurteile wie „ Ich bin doch nicht blöd“, „Therapie ist doch nur für Verrückte“, „Ich habe doch keinen Defekt“, „Da wird ja bloß geredet, was soll da schon passieren.“\r\n\r\nSeit gut 100 Jahren hat sich die wissenschaftlich fundierte Psychotherapie entwickelt und es hat sich viel getan in dieser Zeit. Einen wichtigen, neuen Schritt gab es in den 80er und 90er Jahren mit der Entwicklung der Traumatherapie. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden Traumatisierungen wie z.B. Kriegs-Flüchtlingserlebnisse oder sexuelle Gewalterfahrungen nicht ausreichend in ihrer Bedeutung anerkannt. Störungen wurden allein der Person zugeordnet. Neu ist, die Überlebensfähigkeit von Menschen zu würdigen, die außerordentliche Belastungen über-/erlebt haben. Aaron Antonovsky gab einen wichtigen Impuls in diese Richtung, in dem er das Konzept der Salutogenese formulierte. In seiner Arbeit untersuchte er, wie Menschen es schaffen, trotz dieser großen Belastungen aus der Biographie gesund bleiben. Die Entwicklung von Störungssymptomen ist demnach eine menschlich normale und keine krankhafte Reaktion auf solch heftige Erlebnisse.\r\n\r\nDer Einfluss der Neurowissenschaften, der derzeit von den Medien als bahnbrechende Entdeckung gepriesen wird, ist keineswegs so neu. Die Wechselwirkung zwischen körperlichen Veränderungen und seelischem Erleben ist schon lange bekannt, die physiologischen Vorgänge werden im Psychologiestudium im Prüfungsfach Neuropsychologie gelehrt. Neu ist vielmehr die Möglichkeit, mit Hilfe neuer Technologien Prozesse im Gehirn noch besser sichtbar werden zu lassen. In manchen Zeitschriftenartikeln wurde daraus gefolgert, dass es keine menschliche Freiheit gäbe und die ganze Schöpfung ein rein materielles Zufallsprodukt sei. Diese Schlussfolgerung ist jedoch nur eine von vielen möglichen Interpretationen wissenschaftlicher Befunde, keine bewiesene Tatsache.

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